Auch die Mainstream-Finanzszene wird jetzt allmählich unruhig. Internationale Investoren verkaufen zunehmend Anleihen und verlangen höhere Renditen für wachsende Inflations- und Verschuldungsrisiken mit potenziellen Staats- und Unternehmenspleiten. Es lohnt daher wieder ein Blick auf die Zahlen.
Weltweite Verschuldung steigt
Die nachfolgende Grafik zeigt Kredite (Bankkredite + Anleihen) an den Staat bzw. an nichtfinanzielle Unternehmen. Sie basiert auf den "Total Credit Statistics" der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS). Banken und andere Finanzinstitute sind mit weiteren 53,9 Bio. US-Dollar darin nicht enthalten.
Die Staats- und Unternehmensschulden sind zwischen 2000 und 2026 jeweils etwa um das Fünffache gewachsen (Staaten: 19,8 → 103,3 Bio. US-Dollar; Unternehmen: 22,9 → 101,3 Bio. US-Dollar). Wie in einem anderen Beitrag noch zu zeigen ist, entspricht das ungefähr der Wachstumrate der Geldmenge M3.

Globale Anleihemärkte
Das Volumen der globalen Anleihenmärkte (Bonds) liegt bei rund 145 Billionen US-Dollar. Damit ist er in etwa so groß wie der gesamte weltweite Aktienmarkt. Manche Finanzexperten sehen die Anleihenblase aber als eine weitaus größere Gefahr für die Weltwirtschaft.
Der weltweite Anleihenmarkt teilt sich primär in Staatsanleihen (Sovereign Debt) und Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) auf, wobei Staatsanleihen mit rund 55 Prozent den größten Anteil halten. Regierungen und Unternehmen nehmen jährlich Rekordsummen (2026 geschätzt rund 29 Billionen US-Dollar) am Anleihemarkt auf. Alleine die USA müssen bis Ende 2026 noch rund 9 Billionen US-Dollar aufnehmen. Die Trump-Regierung konkurriert dabei auch mit den großen Tech-Unternehmen (Hyperscaler), die über Anleihen ihre Datencenter-Investitionen finanzieren.
Staatsschulden steigen
Die weltweite Verteilung der reinen Staatsschulden wird im Jahr 2026 unangefochten von den USA, China und Japan dominiert.
- An erster Stelle stehen die USA, deren reine Staatsverschuldung inzwischen die historische Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten hat. Das entspricht einer Schuldenquote von rund 126 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und macht den US-Schatzamtsmarkt (Treasuries) zum mit Abstand größten und liquidesten Schuldenturm der Welt.
- Auf dem zweiten Platz folgt China mit ca. 18,7 Billionen US-Dollar (rund 96 Prozent des BIP). Chinas Schuldenberg ist in den letzten Jahren durch massive Investitionen in die Infrastruktur sowie die Kreditaufnahme von Regionalregierungen rasant gewachsen.
- Den dritten Platz belegt Japan mit reinen Staatsschulden von ca. 12,7 Billionen US-Dollar. Obwohl das Land in absoluten Zahlen hinter den USA und China liegt, ist es im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsleistung der absolute Spitzenreiter: Die Schuldenquote liegt hier bei astronomischen ca. 264 Prozent des BIP.
Dahinter klafft eine gewaltige Lücke, bevor das Mittelfeld der globalen Volkswirtschaften folgt:
- Großbritannien belegt mit ca. 4,1 Billionen US-Dollar (104 Prozent des BIP) den vierten Platz.
- Das rasant wachsende Schwellenland Indien hat sich mit ca. 3,4 Billionen US-Dollar (83 Prozent des BIP) mittlerweile auf Platz fünf vorgearbeitet und die europäischen Schwergewichte überholt.
- In der Eurozone führt Frankreich das Feld mit ca. 3,3 Billionen US-Dollar (113 Prozent des BIP) knapp vor Italien an, das auf ca. 3,1 Billionen US-Dollar kommt. Aufgrund einer schwächeren Wirtschaftsleistung drückt Italien jedoch eine deutlich höhere Schuldenquote von rund 144 Prozent des BIP.
- Deutschland folgt mit ca. 2,9 Billionen US-Dollar auf dem achten Platz. Im Vergleich zu den anderen G7-Nationen weist Deutschland mit rund 66 Prozent des BIP die mit Abstand solideste Haushaltsquote auf. Doch das wird sich durch die Abschaffung der Schuldenbremse bald ändern. Zudem sind in diesen Zahlen nicht die gewaltigen impliziten Schulden z. B. für nicht bilanzierte Pensionsverbindlichkeiten enthalten.
Weltschulden
Die gesamten Schulden der Welt (einschließlich der Privathaushalte) beliefen sich nach Angaben des IIF Institute of International Finance Ende März 2026 auf 353 Billionen US-Dollar. Das ist ein Plus von 4,4 Billionen im ersten Quartal, getrieben vor allem von den USA und China. Die Schuldenquote blieb dabei stabil bei rund 305 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes (BIP), also der Summe aller Produkte und Dienstleistungen in der realen Welt.
Zinsrisiken
Die US-Regierung versucht, den Zinsanstieg an den Finanzmärkten durch eigene Bond-Rückkäufe zu stoppen. Doch das funktioniert offensichtlich nicht. Nun hat auch noch die FED den Leitzins um 0,25 Prozent angehoben, was Donald Trump gar nicht gefällt.
Es bleibt spannend, wie sich die Finanzmärkte, Zentralbanken und vor allem die Staaten verhalten, die noch riesige US-Staatsanleihen im Bestand haben. Interessant ist auch, wie die Staaten versuchen, die Nachfrage zu stabilisieren. So gelten Staatsanleihen nach wie vor als Anlage mit Null-Risiko, so dass Versicherungen und Pensionsfonds nach wie vor zugreifen (müssen). Eigentlich Wahnsinn.




