"Grüner Stahl" scheitert

Subventionen für die Katz?

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Dr. Michael A. Peschke

Herausgeber und Portalbetreiber

Diplom-Ökonom Dr. Michael A. Peschke

Die Bundesregierung schmeißt unser Geld - aus Sicht eines liberalen Marktwirtschaftlers - aktuell mit vollen Händen aus dem Fenster. Dazu gehören ein ausufernder Sozialstaat, ein aufgeblähter Beamtenapparat, eine geldverschlingende Energiewende und zweifelhafte Finanzierungen von NGOs und Waffengeschäften bei gleichzeitigem Verfall der Schulen, Straßen, Schwimmbäder und Bahninfrastruktur. Nun drohen nach einer aktuellen Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) auch die Subventionen des "grünen Stahls" zu verpuffen.

PwC-Studie

Die Umstellung der deutschen Stahlindustrie auf „grünen“ Stahl gilt als zentraler Baustein der CO2-zentrierten und nur in Deutschland mit Inbrunst verfolgten Klimapolitik. China, USA, Indien Russland und fast alle anderen Nicht-EU-Länder haben die CO2-Neutralität dagegen ziemlich abgezockt auf den Sanktnimmerleinstag (2060-2070) verschoben oder ganz abgelehnt.

Eine neue PwC-Untersuchung stellt nun explizit die Strategie des “grünen” Stahls fundamental infrage. Die zentrale, politisch brisante Aussage lautet: Nicht nur die Hochofenroute, sondern auch die klimafreundlichere Direktreduktion mit zunächst Erdgas und später Wasserstoff ist am Standort Deutschland langfristig in den betrachteten Zukunftsbildern kaum wettbewerbsfähig. 

Damit steht nicht nur ein einzelnes Industrieprojekt, sondern die Logik der bisherigen Transformationspolitik zur Debatte. Mit anderen Worten: Die Subventionen, die von hart erarbeiteten deutschen Steuergeldern oder von zukünftigen Generationen zu zahlenden Schulden finanziert werden, sind für die Katz.

Kernergebnisse

  • Verlust der Primärstahlproduktion: In allen drei modellierten PwC-Szenarien verliert Deutschland die Primärstahlproduktion, also die Erzeugung von Stahl aus Eisenerz. Deutschland bliebe vor allem die schrottbasierte Sekundärstahlerzeugung in Elektrolichtbogenöfen.

  • Direktreduktion reicht nicht als Standortstrategie: PwC stellt laut Bericht nicht nur die traditionelle, CO2-intensive Hochofenroute infrage. Auch DRI-Anlagen, die mit Wasserstoff klimafreundlich arbeiten sollen und in die bereits erhebliche Investitionen fließen, erreichen in Deutschland offenbar keine dauerhaft robuste Kostenposition.

  • Kostenvorteile liegen strukturell außerhalb Deutschlands: Länder am Golf und Indien profitieren von deutlich niedrigeren Arbeitskosten sowie günstigerem erneuerbarem Strom und damit potenziell günstigerem grünem Wasserstoff. Skandinavien besitzt innerhalb Europas vergleichsweise vorteilhafte Bedingungen für klimafreundliche Primärstahlkapazitäten.

Die industriepolitische Konsequenz

Für Deutschland sieht PwC eher Perspektiven im schrottbasierten Stahl (1) sowie bei hochwertigen Spezialprodukten (2), bei denen Techologie, Werkstoff-Know-how und Kundenintegration wichtiger sind als der reine Materialwert. Standardisierte Prozesse wie Walzen, Stanzen, Biegen und Schneiden könnten hingegen dem Standort der Primärproduktion folgen.

Der deutsche Staat fördert den Umbau hin zu “grünem Stahl” massiv. Allein Thyssenkrupp Steel, Salzgitter und die Stahl-Holding-Saar erhalten staatliche Beihilfen von deutlich mehr als fünf Mrd. Euro. Für Salzgitter wurde die Förderung im Februar nochmals um 322 Mio. Euro erhöht. Bei Thyssenkrupp beläuft sich die staatliche Förderung für die wasserstofffähige Direktreduktionsanlage auf rund zwei Mrd. Euro. 

Das Problem: Subventionen können zwar den Investitionsaufwand senken, aber keinen dauerhaften Standortnachteil bei Energie, Wasserstoff, Rohstoffen und Arbeitskosten beseitigen. Werden Anlagen später trotz Förderung nur mit hohen laufenden Zuschüssen oder politisch geschützten Preisen betrieben, verwandelt sich die „grüne Transformation“ in eine zweifelhafte Dauersubventionierung zulasten der Steuerzahler.

Lage der deutschen Stahlindustrie

Die deutsche Stahlindustrie produziert deutlich unter ihrer wirtschaftlich tragfähigen Kapazität. Im Jahr 2025 sank die Rohstahlerzeugung auf 34,1 Mio. Tonnen, im ersten Halbjahr 2026 stieg sie zwar auf 18,6 Mio. Tonnen, blieb damit aber weiterhin unter dem Niveau von 2024. Aufs Jahr hochgerechnet wären es rund 37 Mio. Tonnen. Als Auslastungsgrenze für eine gesunde Branche gelten jedoch 40 Mio. Tonnen.

Im Weltmarktvergleich ist Deutschland damit ein kleiner, hochkostenintensiver Anbieter. China erzeugte 2025 rund 961 Mio. Tonnen Rohstahl und damit mehr als die Hälfte der globalen Produktion von etwa 1,85 Mrd. Tonnen. Während deutsche Produzenten auf Qualität, Flachstahl für die Autoindustrie, Spezialstähle und anspruchsvolle Weiterverarbeitung setzen, drücken globale Überkapazitäten, schwache europäische Nachfrage und billige Importe auf Preise und Margen.

CO2-Kostennachteile

Der Preis für eine Tonne CO2 liegen im EU-Emissionshandel derzeit zwischen 75 bis 80 Euro. Bei einer Hochofenroute mit 1,37 Tonnen eingebettetem CO2 je Tonne Stahl entspräche das rechnerisch mehr als 100 Euro zusätzlicher Belastung je Tonne, wenn die Emissionen vollständig bepreist würden. 

Produzenten verlangen für CO2-armen Flachstahl gegenwärtig jedoch häufig einen Aufpreis von 170 bis 200 Euro je Tonne, in Einzelfällen sogar bis zu 300 Euro. Denn CBAM schützt nur gegen einen Teil des Kostennachteils. Er gleicht theoretisch den CO2-Preis aus, aber nicht automatisch höhere deutsche Strompreise, teureren Wasserstoff, Lohn- und Finanzierungskosten, strengere Genehmigungen oder höhere Rohstoff- und Netzkosten. Zudem ist die Ermittlung der tatsächlichen eingebetteten Emissionen kompliziert und anfällig für Standardwerte, Nachweisprobleme und Umgehungsstrategien über leicht veränderte Produkte oder Drittstaaten.

CO2-Grenzausgleich

Um nun die EU-Stahlproduzenten vor billigem Stahl aus aller Welt zu schützen, haben die Brüsseler Bürokraten nun einen CO2-Grenzausgleich (CBAM=Carbon Border Adjustment Mechanism) beschlossen. Ein ausländischer Produzent, etwa in China, Indien oder der Türkei, musste bislang keinen vergleichbaren EU-CO2-Preis zahlen. Ohne Grenzausgleich entsteht ein Anreiz, energieintensive Produktion ins Ausland zu verlagern und den fertigen Stahl anschließend in die EU zu importieren. Dieses Risiko heißt Carbon Leakage, also die Verlagerung von Emissionen und Produktion.

Doch der neue CO2-Grenzausgleich CBAM schützt europäische Hersteller anfangs nur begrenzt: Im Jahr 2026 sind bei Importen erst 2,5 Prozent der eingebetteten Emissionen zahlungspflichtig. Für Hochofenstahl ergibt das bei einem CO2-Preis von 75 Euro zunächst lediglich 2,57 Euro CBAM-Kosten je Tonne. Selbst bei voller Belastung wäre China-Stahl günstiger.

Fazit

Der harte Befund der PwC-Studie lautet daher: Nicht einmal hohe Schutzzölle würden den Kostenvorsprung vieler außereuropäischer Standorte verlässlich neutralisieren, weil die dafür notwendigen Zölle nach PwC unrealistisch hoch wären. Die deutsche Stahlpolitik setzt somit Milliarden auf eine Technologie, deren Klimabilanz basierend auf dem CO2-Narrativ zwar überzeugend ist, deren Standortökonomie aber gerade in Deutschland nicht aufgeht. Die sinnvollere Strategie wäre, Recyclingstahl, Spezialstähle und technologieintensive Wertschöpfung zu sichern, statt die energieintensive Erzroute mit Steuergeld gegen globale Kostenrealitäten zu verteidigen.

Warum macht es die Bundesregierung trotzdem? Geht es um die temporäre Arbeitsplatzsicherung, um politische Unruhe zu vermeiden? Oder ist es ideologische Verblendung? Oder stehen wirtschaftliche Interessen von profitierenden Ländern und Branchen auf Kosten der deutschen Bevölkerung dahinter? Wir wissen es nicht. Man kann nur vermuten und Dinge im Kontext mit anderen ökonomischen Geschehnissen sehen.

Diplom-Ökonom Dr. Michael A. Peschke

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Kontakt: Dr. Michael A. Peschke | Sölder Str. 50 | 58239 Schwerte | Fon: 0170-5885112 | mail@dr-peschke.de