Die Wasserpanik

Was ist ökonomisch dran am neuen Alarmismus?

iStock, lovelyday12
Dr. Michael A. Peschke

Herausgeber und Portalbetreiber

Diplom-Ökonom Dr. Michael A. Peschke

Das Grundwasser scheint auch in Deutschland ein neues Spielfeld der Politik zu werden. In München wurde der Wasserverbrauch reguliert. Andere sprechen wie beim Klima von einem Notstand. 

"Es geht hier um unsere Existenzgrundlage", sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) im Magazin Spiegel und warnt vor "ernsthaften Konflikten um Wasser – auch in Deutschland". Deutschland sei "bisher ein wasserreiches Land" gewesen, "aber das ändert sich gerade". In München verkündete der neue grüne Oberbürgermeister Dominik Krause derweil eine "seit den frühen 1970er-Jahren nicht dagewesene Ausnahmesituation" und lässt Pools, Rasensprenger und Autowaschen verbieten. 

Was ist da los? Gerechtfertigt, oder alles wieder Panikmache?

Fakten zur Wasserlage in Deutschland

Prof. Dr. Stefan Homburg hat dazu schon vor einiger Zeit eine interessante Analyse erstellt, die ich nachfolgend zusammenfasse. Prof. Homburg hat bis zu seiner Emeritierung 2021 Finanzwissenschaft an der Leipnitz Universität Hannover gelehrt. Daneben war er unter anderem Mitglied im Beirat des Bundesfinanzministeriums (BMF-Beirat), im Wissenschaftlichen Beirat beim Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung sowie in der Föderalismuskommission von Bundestag und Bundesrat. Er ist somit eine honorige Person, der interessanterweise seit 2021 die offiziellen Narrative durch brillante Analysen aus offiziellen Daten widerlegt. Hier seine drei Kernergebnisse:

Niederschlagsmenge steigt

Der Deutsche Wetterdienst misst seit 1881 – und der Trend zeigt nach oben, nicht nach unten. Der Jahresniederschlag hat sich in 145 Jahren um 8 Prozent erhöht. vor allem im Winterhalbjahr (Umweltbundesamt). Wer behauptet, Deutschland trockne strukturell aus, muss diese Kurve wegdiskutieren. 

Deutschland ist eines der regenreichsten Länder der Welt, übrigens mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von rund 10,5 Grad. Das ist Platz 177 in der Hitliste der wärmsten Länder in der Welt! Rom hat dagegen eine Jahresdurchschnittstemperatur von rund 16 Grad. Die Zahl der Hitzeflüchtlinge aus Italiens Hauptstadt soll sich gleichwohl in Grenzen halten.

Die Wasserentnahme sinkt drastisch

Selbst die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) schreibt es unmissverständlich: Die gesamte Wassergewinnung in Deutschland hat sich in den letzten 30 Jahren "mehr als halbiert" – von 46,3 auf rund 17,9 bis 21 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Der Grund ist nicht grüne Sparsamkeit, sondern der Absturz der Industrieproduktion und das Ende von Kohle- und Kernkraftwerken, die Milliarden Kubikmeter Kühlwasser schluckten. Weniger Fabriken, weniger Kraftwerke, weniger Entnahme – eine simple Rechnung. Die ursprüngliche Seite ist nur noch im Archiv erreichbar.

Grundwasserstände sind konstant 

Das ist der eigentliche Skandal. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) betreibt mit GRUVO ein Netz aus über 4.200 Bodenmessstellen – echte Pegel, keine NASA-Satellitenschätzungen. Diese Daten zeigen keinen Kollaps, sondern Schwankungen im historischen Rahmen; 96 Prozent der deutschen Grundwasserkörper gelten als mengenmäßig in gutem Zustand (BMFTR). 

Die vom Umweltbundesamt gern zitierte "Häufung von Unterschreitungsmonaten" ist kein Beleg für einen jahrzehntelangen Abwärtstrend, sondern ein Rechentrick: Verglichen wird mit der Referenzperiode 1971–2000 – ausgerechnet einer besonders regenreichen Phase. Fällt heute ein trockeneres Jahr dazwischen, "unterschreitet" man automatisch diesen günstigen Maßstab, ganz ohne dass sich am Grundwasser strukturell etwas ändert.

Selbst innerhalb des Wasserlagers ist der Alarmismus umstritten. Die BUND-Studie, die "Grundwasserstress" in der Hälfte aller Landkreise behauptete, wurde vom Fachverband DVGW methodisch zerlegt: falscher Bezugsrahmen, ungeeignete Verwaltungsgrenzen, eine 20-Prozent-Schwelle, die "durch keine Studie oder Konvention belegt" sei (DVGW).

Und warum das Ganze?

Wer trotz klarer Faktenlage Urangst beschwört, verkauft keine Wissenschaft, sondern Politik: Es rechtfertigt neue Verbote, neue Abgaben, neue Zuständigkeiten, spaltet die Gesellschaft – und lenkt hervorragend von Rezession, Kriegen und einer verfehlten Energiepolitik ab. Der neue Wasser-Alarmismus mit seiner Symbolpolitik wie die öffentlichkeitswirksame Schließung eines Brunnens in der Münchener Innenstadt lebt nicht von Fakten, sondern von Angst. 

Über die wahren Gründe für die faktenbefreite Panikmache kann man nur spekulieren, aber erste Spuren sind sichtbar. Just in dem Moment, in dem die Angst ihren Höhepunkt erreicht, führt Bayerns Ministerpräsident Söder zum 1. Juli 2026 den "Wassercent" ein: zehn Cent pro Kubikmeter, verkauft als "klimafreundliche Maßnahme", tatsächlich eine neue Abgabe mit 70–80 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr. 

Auch global lohnt der Blick: Schon 2008 stieß das Weltwirtschaftsforum (WEF) mit der "2030 Water Resources Group" eine öffentlich-private Wasser-Koalition an, an der Nestlé, Coca-Cola und Veolia beteiligt sind. Das oft zitierte Nestlé-Zitat, Wasser sei "kein Menschenrecht", zeigt, dass Konzerne an Wasserrechten kommerziell interessiert sind. 

Die Privatisierung und Finanzialisierung von Wasser, Boden und Luft über digitale Token ist der Traum der globalen Finanzindustrie. Larry Fink, CEO von Blackrock, hat dazu bereits einige interessante Interviews gegeben. In einem CNBC-Interview am 14. Oktober 2025 sagte er wörtlich, man stehe „at the beginning of the tokenization of all assets, from real estate to equities to bonds, across the board“. Zusätzlich sprach er von einer „tokenized identity“, also im Prinzip von einem tokenisierten Menschen. Darauf gehe ich in einem speziellen Artikel noch ein.

Diplom-Ökonom Dr. Michael A. Peschke

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